Die Kahnert-Datei

Ein Kirchenbuch-Projekt von Gerhard Kahnert


Der Briefkopf den Gerhard bis 2006 verwendet hat
Der Briefkopf den Gerhard bis 2006 verwendet hat
Ein Autograph von Gerd aus einem seiner Briefe an mich aus 2006
Ein Autograph von Gerd aus einem seiner Briefe an mich aus 2006

Ein Nachruf auf Gerhard Kahnert -Gerd-


Anfang 2000 lernte ich Gerhard Kahnert in einem Netz-Forum für Ahnenforscher kennen. Er antwortete mir auf meine Anfrage zur BASS Familie in Pr. Eylau. Diese Suche einte uns und es entstand ein intensiver Austausch.

 

Sein Schwiegervater Arno Bass stammte aus Pr. Eylau und hatte vor langer Zeit mit der Ahnenforschung. Es gelang ihm die Faszination dieses Hobbys auf Gerd zu übertragen. Zumal seine eignen Kahnert Wurzeln u.a. in Tharau lagen.

Gerd selbst verbrachte auch nach dem Tod von Arno mehr als 20 Jahre mit diesem Hobby, welches über den herkömmlichen Rahmen hinaus ging.

Man kaufte Film-Kopien der Kirchenbücher, nicht nur aus der Region Ostpreussen, und schaffte sich ein Lesegerät an.

Im Zeitalter der Digitalisierung ging Gerd dazu über, seine schriftlichen Sammlungen in ein Ahnenforschungsprogramm einzupflegen und ergänzte diese durch immer neue Filmauswertungen. Längst reichte die Datenflut über die Kahnert und Bass Familien und Ostpreussen hinaus.

 

Nachdem der Elektromeister aus gesundheitlichen Gründen das Rentenalter erlangt hatte (für ihn selbst viel zu früh, wie er sagte), eröffnete er ein Büro für genealogische Forschungen.

Der agile Mann, tatkräftig, wissbegierig, von imposanter Gestalt, nordisch by nature mit norddeutschem Slang, beliess es aber nicht bei einem Schreibtischjob.

"Ich schrieb mir die Finger wund und telefonierte wie verrückt. Da habe ich jede Menge Kilometer abgerissen. Manches kannst du nicht am Telefon erfragen und notieren. Da musst du raus in die Archive und zu den Leuten. Man hat mich oft ablitzen lassen. Viele streuben sich Informationen zu geben, haben kein Verständnis für die Nachfragen und die Forscherei. Die meisten die Suchen haben keine Geduld, geben viel zu schnell auf. Du musst dran bleiben an der Forscherei, sonst wird das nichts".

 

In seinen Filmen fand Gerd meinen Urgrossvater Matz und die ganze Tharau Sippe für mich. Er schickte mir unzählige Kopie, damals noch per Post, aus den Kirchenbüchern. Die schlecht lesbaren beschriftete er, da er bei Gegenlicht durch das Zelluloid doch mehr erkennen konnte, als auf der Blattausgabe lesbar war.

Damals fiel mir das Lesen der alten Schriften noch schwerer als heute. Immer wieder musste ich Gerd darum Rückfragen stellen und um Lesehilfe bitten. So ging er dazu über, mir alle KB Seiten abzutippen. Er hat sich grenzenlose Mühe damit gemacht!

Mein Angebot seine genealogische Arbeit zu vergüten, schlug er aus.

"Du gehörst zur Familie, von der nehme ich nichts. Die Sippen dort [Ostpreussen] gehören eh alle irgendwie zusammen. Wenn du lange genug forscht, wirst du das erkennen. Früher oder später wird man sehen, dass die da alle irgenwie miteinander verbandelt waren".

 

Bei all der Leidenschaft für die Forscherei in Ostpreussen unterschied uns nur eines: Gerd sammelte Namen, Daten und Fakten. Er brannte dafür, dies voran zu treiben. Ich fand auch die Geschichte dahinter spannend. Rückblickend war dies eine optimale Ergänzung für ein Forscher-Team.

 

Im September 2006 verabredeten wir uns zum Kreistreffen der Preußisch Eylauer in Verden. Im Archiv des Kreismuseums wollten wir uns nach genealogischem Material umsehen. Gerd war überzeugt davon, hier etwas zu finden. Noch vor meiner Ankunft hatte er diesen Teil der Forscherei schon erledigt. "Die haben da nichts für uns oder geben nichts raus. Wir machen das selbst. Es gibt viel zu tun", lautete seine ernüchterte Begrüssung an mich. Zu dieser Zeit war Gerd gesundheitlich schon schwer angeschlagen, was ersichtlich war.

 

Im Foyer des Kreishauses nahmen wir Platz. Gerd war mit Aktentasche und Laptop gekommen. Er zeigte mir seine Sammlungen und erklärte, wie ich mit dem Ahnenforschungsprogramm "PAF" arbeiten kann.

Im Anschluss übergab er mir die Installations-CD des Programmes und eine weitere mit der Aufschrift "Kahnert".

"Ich habe dir eine Kopie meiner Sammlung gemacht, mach damit was du willst. Ich denke ich habe nicht mehr lange Zeit, keine Ahnung ob das später jemand weiter führt. Aber ich glaube, du bleibst dran."

Unermüdlich und direkt nach unserem Treffen an diesem Samstag fuhr er schon zum nächsten Forschungstermin, er war ja nun schon mal in der Nähe von Bremen...

 

Sein letztes, grossartiges Projekt war die Einstellung von Teildaten seiner Sammlung auf seiner genealogischen Homepage. Nicht nur damit hat er vielen Menschen dabei geholfen, ihre Ahnen zu finden.

Obwohl er sich mit seiner Fleissarbeit einen so sehr positiven Ruf in der Forschergemeinde Ostpreussens gemacht hatte und soviel auf die Beine stellte: Gerd selbst war nicht zufrieden damit. In manch einem Gespräch erklärte er mir, was er alles bei seinen Aufzeichnungen falsch angefangen, versäumt oder nicht geschafft habe. Diese Gedanken trieben in bis zu unserem letzten Gespräch an.

 

Unser letzte gemeinsame Arbeit spielte sich in Celle ab. Dort lebten Nachkommen der Kahnert-Ahnen.

Gerd konnte die Tour nicht mehr selbst machen. Bis Herbst blieb der telefonische Kontakt bestehen. Gerd musste immer häufiger ins Krankenhaus. Dann war er nicht mehr erreichbar. So wie er es voraus gesagt hatte, war seine Zeit an diesem Platz hier nun um.

 

Gerds PAF-CD mit der Sammlung gibt es noch. Die Inhalte habe ich mehrfach auf anderen Datenträgern und Programmen gesichert. Aus den 52.000 Datensätzen sind bis heute 62.000 geworden.

Auch das hat Gerhard Kahnert voraus gesagt: "Ich glaube, du bleibst dran".

Ich blieb dran! Hatte ich doch das grosse Glück, bei einem Meister der "Forschungerei" in die Lehre zu gehen. Ich bin sehr dankbar für alle Kniffe und Tricks, die Gerd mir nahe gebracht hat. Damit hat er, wie damals wohl Arno Bass bei ihm, eine grosse Leidenschaft in mir geweckt.

Die Kahnert-Datei ist Gerhards genealogisches Lebenswerk. Diese Zeilen gelten seinem Andenken!

 

Herzliche Grüsse

Ännchen


Eckpunkte und Besonderheiten zur Kahnert-Datei


  • Die Aufzeichnungen stammen schwerpunktmässig aus Kirchenbüchern Ostpreussens und Schlesiens. Aber auch darüber hinaus.
  • Durch seine gezielten Forschungen der "Genealogischen Datenaufbereitung", also durch persönlichen Kontakt mit Personen und deren Nachkommen, ist es Gerhard Kahnert gelungen, Familiendaten zu konservieren, die sich ausserhalb von vorhandenen Kirchenbuchaufzeichnungen und Personenstandsunterlagen befinden. Dies ermöglicht es, Familiendateien weit über die räumlichen Grenzen dieser Bestände nachzuvollziehen.
  • Einen Teil seiner Kirchenbuchauswertungen, also seiner Sammlung hat Gerhard bei "familysearch" eingepflegt.
  • Entgegen des oft formulierten Wunsches, bzw. der Anfragen dazu an mich hat Gerhard in der Kahnert-Datei keine kompletten Stammbäume zu den eigenen Linien hinterlassen