bei Tharau, einst Rittergut, Gut
| Familienname | Geburtsname |
| Baumgart | |
| Baumgarth | |
| Baumgarth | |
| Drehse | |
| Franz | |
| Groß | |
| Groß | |
| Groß | |
| Hollstein | |
| Hollstein | |
| Hübner | |
| Hübner | Reske |
| Hübner | |
| Hübner | |
| Hübner | |
| Hübner | |
| Joost | |
| Joost | Gerwien |
| Joost | |
| Joost | |
| Klang | |
| Klang | |
| Lehmann | |
| Michel | |
| Müller | |
| Müller | |
| Posnien | |
| Radtke | |
| Radtke | |
| Rehse | |
| Rehse | |
| Rogalski | |
| Rogalski | Becker |
| Rogalski | |
| Rogalski Dr. | |
| Rogalski | |
| Rogalski | |
| Rogalski | |
| Rogalski | Krupp |
| Rogalski | |
| Rogalski | |
| Preuß | |
| Saager | |
| Saager | Bolowski |
| Saager | |
| Saager | |
| Saager | |
| Saager | |
| Saager | |
| Sahm | |
| Schlimnat | |
| Schwarz | |
| Schwagerus | Dombrowski |
| Stege | |
| Stenzel | Brandstäter |
| Stenzel | |
| Stenzel | Triebel |
| Stenzel | |
| Stenzel | |
| Stenzel | |
| Stössel | |
| Timm | |
| Timm | Böschke |
| Triebel | |
| Triebel | |
| Triebel | |
| Triebel | |
| Udaly | |
| Völkner | |
| Voß | |
| Wagner | |
| Wilhelm |




Lebenserinnerungen einer natangischen Landarbeiterfrau
aus Schultitten, Schrombehnen, Ernsthof
Frau Anna Groß, geb. Rosenberg, aus Schrombehnen, dann in Ernsthof bei Tharau. Sie schrieb gern lange Briefe und äußerte kluge Gedanken, lebte nach der Vertreibung in Uetersen/Holstein und war bis ins hohe Alter von 90 Jahren noch rüstig, tätig und geistig beweglich. Auf die Bitte ihre Lebensgeschichte mitzuteilen schrieb sie diese mit schon zittriger Hand kurz vor ihrem Tod auf.
Anna Groß ist in einer kleinen Landarbeiterwohnung in der Nähe von Schrombehnen, in Schultitten, aufgewachsen. Sie heiratete den Kämmerer Groß, der das Gut Ernsthof bei Tharau trotz anfänglich häufigem Wechsel, trotz schwieriger Bodenverhältnisse und schwerer Kriegs- und Nachkriegsjahre durch alle Krisen umsichtig und tatkräftig steuern half. Seit 1912 bis zur Vertreibung stand Groß der Familie Stenzel treu zur Seite. Das Ehepaar Groß erlebte den Brand des Gutshauses, den Tod der noch jungen Frau Stenzel, die Verkleinerung des Gutes und den Wiederaufstieg nach schweren Jahren.
Vater Stenzel überließ das Gut seinem Sohn, zu dem und dessen junger Familie das Ehepaar Groß ein besonders herzliches Verhältnis hatte. Das dauerte bis zum Tode des Kämmererpaares, Jahrzehnte über die Vertreibung hinaus. Bei gegenseitigem Besuch gab es oft ein Wiedersehen. Briefe gingen hin und her, Stenzels Tochter Gertrud verlebte ihre Schulferien gern bei der rechtschaffenen Frau Groß und ihrer gut erzogenen Pflegetochter Christel, die schon als Vierzehnjährige bei Stenzels im Gutshaushalt gewirkt hatte. „Mein väterlicher Freund" nennt der vertriebene Gutsbesitzer Stenzel seinen einstigen Kämmerer in der Todesanzeige im „Ostpreußenblatt". Ein Beispiel für das gute und nahe Verhältnis ostpreußischer Landwirte zu ihren Arbeiterfamilien trotz verschiedener Lebensweise. Wenige Jahre nach dem Tode ihres Mannes starb Frau Anna Groß im Jahre 1978.
Zusammengetragen von Frau Hedwig von Lölhöffel, ehemals Gutsbesitzerin Gut Tharau
Nun will ich noch, soweit ich es kann, meinen Lebenslauf aufschreiben, durch die Kindheit und weiterhin.
Ich bin am 31. Dezember 1888 in Schrombehnen geboren. Wir waren in unserer Familie fünf Geschwister: Drei Jungens und zwei Mädels, die Älteste und ich, die Jüngste. Wir zogen dann nach Schultitten, da mußten zwei Hofgänger gestellt werden. Dort ging die Beisleide - ein Fluß - mitten durch das Gut. Da hatten wir eine abwechslungsreiche Kinderzeit: Im Sommer baden und im Winter Schlitten fahren. Wir hatten ein gutes Elternhaus, doch zur Arbeit wurde jeder herangezogen. Wenn zu Hause keine Arbeit war, gingen wir in den Wald, der dicht dabei war, nach den schönen Maiglöckchen, dann nach Walderdbeeren, Himbeeren und Brombeeren und im Herbst Pilze suchen. Im Wahl waren die alten Leute ins alte Försterhaus vom Gut verpflanzt. Die suchten sich da ihre Brennung und was zum Leben. Sonst waren sie bei den Kindern im Gut. Die Alten hatten doch auch schwer gearbeitet, da war noch nicht der (tarifliche) Stundentag zu der Zeit und die Rente gab es erst von. 70 Jahren ab. Da ist die heutige Zeit doch einsichtiger. Und trotzdem wurde zu damaliger Zeit noch gespart, aber das ging nach dem I. Weltkrieg alles verloren. Mit zehn Jahren mußten wir Kinder mit auf das Feld, wenn zum Weden (Jäten) war und Rüben verziehen. Dafür gab es 30 Pfennig pro Tag und im Herbst beim Kartoffelernten, das ging auf, Akkord, jeden Korb 30 Pfennig. Das war unser Taschengeld, denn damals gab es noch nicht so viel Geld. Der Vater bekam 10 Mark im Monat, dazu aber das Getreide zum Leben, Wohnung, Stall' Viehfutter und Holz.
Mit 14 Jahren musste man da schon voll mitarbeiten. Ich wurde im September konfirmiert und am 1. Oktober ging es an die Arbeit, obwohl ich erst zu Silvester 14 wurde. Für die Kinder vom Gut gab es alle Jahre Weihnachtsgeschenke. Bloß die Alten, wo nicht mehr arbeitsfähig waren haben mir immer leid getan. Die kriegten alle Monat ein ¼ Zentner Roggen und Brot und von der Kirche 3 Mark. Damals gab es noch keine Rentenversicherung.
1902 zog unsere Familie wieder nach Schrombehnen denn die Wohnungen in Schultitten waren sehr klein: Eine Stube und Kammer. Wenn der Webstuhl drin war, dann war nur ein kleiner Türspalt, dass man in die Kammer konnte. Zwei Betten in der Stube, zwei in der Kammer. Unten war Lehmboden zu der Zeit, keine Küche. Gekocht wurde im Ofen oder im Schornstein der „schwarzen Küche“, wo ein Kamin gemacht war.
In Schultitten mußten wir noch alle für das Gut spinnen und weben. Wir hatten auch Lein ausgesät und wenn er reif war, mussten wir ihn ausziehen helfen.
Wenn er dann im Winter zubereitet war ging es ans Spinnen für Jungen und Mädchen. In Schrombehnen war das nicht mehr im Vertrag. Aber die Arbeiter kriegten Land und konnten für sich Lein aussähen.
Wir haben noch in Ernsthof für uns gewebt: Handtücher, Tischtücher und auch Hemden und Kleider. Ich habe noch ein gewebtes Kleid in Wolle, das hat mir die Tochter vom Schuster Kerwien in Tharau geschneidert. Das war im 1. Weltkrieg 1915 und passt immer noch.
1905 sind wir nach Ernsthof gezogen. Da lernte ich meinen Mann kennen und 1911 heirateten wir. 1913 hatte ich eine schwere Entbindung. Das Kind war tot und seitdem konnte ich keine Kinder mehr bekommen.
Das Gut Ernsthof besaß 1905 Frau Henke. Nach dem Konkurs kaufte es die Landesbank Berlin, dann Herr Grünberg und 1912 Herr Stenzel. In jenen Jahren wurde ein neues Arbeiterhaus gebaut; jede Familie hatte ihren Flur allein, eine Küche, ein großes Wohnzimmer sowie Kammer und Boden. Da war zu merken, daß der Arbeiter im Ansehen höher gerückt war. In allen Häusern waren die Stuben gedielt, sie bekamen Doppelfenster und später auch elekisches Licht.
Im I. Weltkrieg waren wir fünf Tage auf der Flucht bis Brandenburg am Frischen Haff. Mein Mann war den ganzen Krieg über Soldat, wurde zweimal verwundet und geriet 1918 in Kriegsgefangenschaft. Erst ein Jahr später kam er zurück. Das waren für mich die schwersten Jahre von 1914 — 1919. Alle Tage zur Arbeit. Zum Glück lebten noch meine Eltern; sie und der Glaube gaben mir die Kraft durchzuhalten. Ein Jahr nach meiner Entbindung war ich sehr krank und konnte nichts tun, als auf die Hühner aufpassen. Die schlechteste Zeit für die Güter und überhaupt für alle war die Inflation von 1922/23. Da gab es tausende Millionen, aber das Geld hatte keinen Wert. Wenn man etwas kaufen wollte, war es schon wieder verfallen. Nach der Inflation kamen einige bessere Jahre, dann wurde es für die !ndwirtschaft wieder schlechter. Die Güter wurden alle kleiner. Schrombehnen gab die Vorwerke Bögen und Gr. Lauth ab, von Schultitten blieb noch ein kleines Restgut, von Ernsthof wurde Romlau verkauft und Land für acht Siedler und dann an die Tharauer Bauern abgetreten. Das waren damals schwere Zeiten, auch für die Besitzer. Ich muß noch einmal auf die alten Leute kommen, die waren von Ernsthof in Romlau untergebracht, ganz weit ab. Daß Romlau verkauft wurde, war gut für sie, denn nun kamen sie auf das Gut und man konnte ihnen mal was hinreichen, Milch und Brot. Und wenn geschlachtet wurde, fiel für die Alten auch immer etwas ab.
Weil ich keine Kinder haben konnte, haben wir ein Mädchen von 2 1/4 Jahren von meiner Nichte angenommen. Die hatte vier Mädchen und acht Jungens. So haben wir auch im Alter Betreuung. Die Eltern der Pflegetochter hießen Klein und nun war sie bei Groß.
Jetzt habe ich es gut.
Meine Pflegetochter Christel hat zwei Töchter. Ich arbeite und mach noch was ich kann, und gehe noch nachmittags an die Luft spazieren
Anna Groß


