Der Kreis lag im Kern der alten prussischen Landschaft Natangen, von prussisch ape=Fluß. Die Prussen, auch in anderen Schreibweisen, auch Altpreußen, Bruzi oder Brus genannt, waren die ersten nachgewiesenen Einwohner der Region. Sie werden den baltischen Vökern zugeschrieben und lebten, wie die Nachbarn der Gaue Barten, Samländer und Warmen in Stämmen. Litauisch werden Prūsai
Sie hatten sich von Erd- und Wasserwällen umgebene Holz und Erd-Burgen erbaut, um sich gegen Eindringlinge zu schützen. Schützenswert aber waren wohl auch die Heiligen Haine (Eiche von Romowe. Das waren einst Waldreiche, dicht bewachsene, moorige GebieteIn ihnen beteten sie ihre zahlreichen Götter an. Ockopirmus, war der Allererste unter ihnen.
Doch obwohl die Prussen über Jahrhunderte hinweg gegen die Besatzung der Kreuzritter kämpften, mussten sie sich geschlagen geben.

Nun ja, nicht ganz. Sie waren anpassungsfähig, sollen aber den Glauben an das Feen- und Zwergenreich oder an die Waldgeister nie ganz aufgegeben haben. Vielmehr gaben sie diese an ihre Nachkommen weiter. Den späteren Ostpreußen.
Durch den Einfluss der eingezogenen und ansässig gewordenen Kreuzritter oder deren Untertanen kamen neue Einflüsse ins Land.
Teile Natangens wurden bereits um 1240 von den Rittern eingenommen.
Die Prussen-Burgen wurden weiter genutzt und ausgebaut. In Königsberg wird ein Schloß daraus. In Kreuzburg, Pr. Eylau wird die Burg über Jahrhunderte zu Wohngebäuden von Adeligen. Bis sie verlassen und ihre Ziegel abgebaut werden.
Die Burg Yladia in der Stadt Pr. Eylau wurde 1325 vom Deutschen Orden gegründet. Sie wurde 1455 durch ein Feuer zerstört. Eines der Nebengebäude ist bis heute erhalten.
Die Prussen waren erkennbar an ihren Namen. Alte prussische Ortschaften ebenso. Tolken war der Übersetzer und wir finden den Begriff in Orts- und Familiennamen (Tolksdorf) wieder. Diese Übersetzer waren in der Zeit der Besetzung durch den Orden und viele Jahrhunderte später noch notwendig.
Die Prussen kämpften sehr lange um den Erhalt ihrer Sprache, die dann unterging.
Auch das Altprussische verschiedener Regionen soll sich unterschieden haben. So heißt es über die Mundart der Natangier, sie solle etliche Worte verkürzt (Verniedlichungsform) und die Silben zusammen gezogen haben.
Die Sprache der Welauer soll nach der Litauischen gekommen sein.
Der Mazs wurde später der Matz, der Kleine.
Laucks oder -lack bedeutet Acker oder Feld und ist in Ortsnamen wie Sieslack, Lauk und in Familiennamen wie Pustlauck zu finden.
Kaim steht für Feld und findet sich im Ortnamen Porschkeim bei Kreuzburg wieder.
Trusch bedeutet Kanninchen und ist in Pr. Eylau als Name verbreitet.
Fakten
Größe: 1228,49 qm
Tharauer Wald - nördlichste Spitze 10 KM von Königsberg entfernt
Pudelkeim - südlichste Ortschaft
Blumstein - westlichste Ortschaft
Zehlau Bruch - östlichste Region
Höchster Punkt - Schloßberg bei Wildenbruch 220 m ü. NN
Landschaftliche Prägung: Wurde durch das Stablack Moränenlandschaft mit
gewellten Flächen, Mooren, Bächen, Seen, Senken, Flüssen, Brüchen, Wäldern und Teichen geprägt
Größtes Moor - Zehlau Bruch. Mehr als 50 weitere Brüche und Moore im Kreis sind bekannt u.a. Bottpelk - Glandau, Kabbel-Bruch - Dittchenhöfen, Gröbensbruch - Tharauer Wald, Kujjelfichten-Bruch - Kl. Maxkeim und fünf Brüche allein im Stablacker Forst.
Flüße
Alle - südlicher Kreisteil, bildete die natürlich Grenze zum Kreis Heilsberg
Frisching - nördlicher Kreis, 60 von insgesamt 90 Km des Flußes verliefen durch den Kreis
Beisleide - entspringt dem Schloßberg
Pasmar - Ein Kind Pr. Eylaus der den Kreis 40 Km durchfliesst. Bekannt ist die Pasmar-Brücke in Kreuzburg.
Keygster - Entspringt in der Forst Dinge bei Stablack, läuft durch Dingort, Moritten, Schnakeinen, durch eine romantische Schlucht des Kreuzburger Stadtgrund, am Schloßberg von Kreuzburg vorbei um dann dort nordwestlich in den Pasmar zu münden.
Stradick - verläuft von Wildenhoff kommend bis nach Zinten
Elm - Zwischen Dulzen und Saagen
Drewens - bei Hanshagen
Walsch - bei Wildenhoff, speiste die Liepnicker Mühle
Nebenflüsse
Mühlwasser - bei Tharau
Strena - durch Gut Ernsthof
Mühlenfließ - Kattlacker Fließ entspringt bei Alkehnen
Liebe - bei Graventhien
u.a.
Seen
Warschkeiter See - Pr. Eylau 25 ha
Lange See - bei Pr. Eylau 20 ha
Ritter See - Warschkeiten 3 ha
Schwarzer See - Warschkeiten 5 ha
Klare See - Warschkeiten 22 ha
Orscher Waldsee 3 ha
Bartels See - Stablacker Forst mit Eschenteich und Schnittwinkel
Es gab etliche Teiche im Kreis z.B. den Walsch- Mühlen- und Moos Teich
Tierwelt
Neben bekannten Wild-, Nutz- und Kleintieren wurden im Kreis auch Pferde gezüchtet. Der Reitsport spielte eine Rolle.
1725 soll der letzte Bär erlegt worden sein. Im 19. Jahrhundert waren die Wölfe ausgerottet. Sie sollen besonders im Winter eine Plage dargestellt haben und richteten Schaden bei Mensch und Tier an.
Der Oadeboar hatte seine Horste in jeder Gemeinde und war im Kreis sehr stark vertreten.
Der Storch war volkstümlich und eine Art heiliger Vogel bei den Ostpreußen.
Bekannt ist das Ur-Elch Geweih von Porschkeim.
Den Altpreußen sollen auch Pferde heilig gewesen sein. Im Kreis wurden Kaltblutpferde gezüchtet und natürlich geritten oder vor die Kutsche gespannt.
Pferd und Wagen bei den Prußen
Es ist bekannt, dass das Pferd eine große Rolle im Leben der Prußen (und auch der Letten und Litauer)
spielte. Der indogermanische Pferdename ist überliefert im Derivat altpr. aswinan „Kobilmilch = Stu-
tenmilch“, die vergoren wurde und als berauschendes Getränk bei Gelagen und Festen diente. Trotz der
begrenzten appellativischen Lexik, die auf uns überkommen ist, erstaunt die Anzahl der Wörter und zum
Teil Fachausdrücke für Pferd im Altpreußischen: russis „Ross“, zirgis „Hengst“, swerapis „Turnierpferd“,
sweykis „Pflug-, Arbeitspferd“, koywe „Stute“, arwaykis „männliches Füllen“, rapeno „junge Stute“, maldian
„junges Pferd männlichen oder weiblichen Geschlechts“, wilenikis „Zelter; Pferd, das im Pass oder sanften
Schritt geht“, kampnit, camnet „Pferd, equus“ und paustocaican „Wildpferd“. Auch etliche Bezeichnungen
für das Pferdegeschirr wurden überliefert: balgan „Sattel“, bugo „Sattelbogen“, largasaytan „Riemen, an
welchem die Steigbügel hängen“ und lingo „Steigbügel“.
Eine alte Bezeichnung des Wagens liegt vor in altpr. *kela- in kelerenco „Runge“ und in altpr. (sudauisch)
kellewesze „Wagentreiber“. Letzteres lässt sich zu russ.-ksl. kolovozъcъ „einer, der in Wagen wohnt bzw.
fährt; Nomade“ stellen (Eckert 1992b). Auch das Zweitglied des Kompositums -vezis enthält die Konti-
nuante eines indogermanischen Wagennamens. Es war ferner das aus dem Polnischen oder Ostslawischen
entlehnte altpr. abasus, abas „Wagen“ gebräuchlich. Zudem ist uns eine Reihe von Bezeichnungen für Teile
des Wagens bekannt: altpr. slaune „Deichselarm an der Vorderseite des Wagens“, scritayle „Felge“, nabis
„Nabe“, assis „Achse“, nuskils „Schiene am Wagenrad“, arwarbs „langes Holz, das Vorder- und Hinterachse
eines Rüstwagens verbindet“, kalpus „Rungstock“ und grawyne „Dungbrett; Seitenbrett des Wagens zum
Düngerfahren“ (Eckert 1995).
Die Bienen und der Bärenfang
Die Waldimkerei bei den Prußen
Die Existenz dieses alten Produktionszweigs wird bewiesen durch altpr. caltestisklokis (Elbinger Vokabular)
„Zeidelbär = Bär, der Waldbienenstöcke plündert“. Ferner gehört hierher altpr. drawine „Beute = Wald-
bienenstock“ (Eckert 1993)
Bärenfang war ein Metgetränk das es bis heute gibt.
Kult - Grab- und Opfersteine
Teufelsstein bei Hanshagen - Da ging ein Mann an der Grenze Natangens zum Ermland fast einen Pakt mit dem Teufel ein, als ihn das Läuten der Kirchenglocken davon abhielt einzuschlagen. Die Vertiefung in der Mitte des Steines zeigte die Faust des Teufels, der vor Ärger darauf eingeschlagen haben soll. So glaubten die Naturvölker es.
De ohl Suu, "Alte Sau" bei Glandau - war auch ein Grenzstein zum Ermland. Um einen 3 Meter langen und 1 Meter hohen Fels lagen 12 kleinere Steine herum. Sie stellten die Ferkel dar.
Skomand Stein in Kanditten - bei ihm soll der Sudauer Fürst Skomand begraben sein.
Mannke Stein bei Skerwitten - wohl ein Kultstein der alten Prussen.
Opferstein bei Uderwangen - rings herum war der Boden mit Asche und Kohlenresten vesetzt. 1m hoch war er. Die obere Fläche war kreisförmig und abgeneigt. Eine Rinne war hineingeschlagen.
Überreste der Heiligen Haine?
Bringen heilige Bäume hervor. Im Kreisgebiet waren solche in
Groß Bajohren - Baiersfelde eine tausendjährige Eiche im Gutspark stehend.
Tharau - Ännchen - Linde.
Städte und Gemeinden
3 Städte: Pr. Eylau (Kreisstadt), Landsberg und Kreuzburg, Gartenstadt Stablabk ab 1935 - Regierungsbezirk war Königsberg
Darin lebten 1939
56385 Einwohner davon ständige Bewohner 53209.
Das stand auch im Zusammenhang mit dem Militär in Pr. Eylau (Atillerie), Stablack und Jesau (Fliegerhorst) denn von der Gesamtbevölkerung waren männlich 29678 und weiblich 26707.
Um diese Zeit gab es auch zwei RAD (Reichsarbeitsdienst) Unterkünfte in Uderwangen und Gr. Lauth und den weiblichen Arbeitsdienst in Penken, Romitten und Woymanns.
Die evangelische Bevölkerung betrug 1933 97%, 4% katholische Bevölkerung 0,2%, Andere 0,2%, Juden 2,2 das waren 56 Personen.
Es gab 20 Kirchspiele: Tharau, Kreuzburg, Dollstädt, Mühlhausen, Jesau, Uderwangen, Abschwangen/Almenhausen, Pr. Eylau, Schmoditten, Kl. Dexen zuletzt Stablack, Kanditten, Buchholz, Guttenfeld, Petershagen, Landsberg, Gr. Peisten, Hanshagen, Eichhorn, Albrechtsdorf, Reddenau und Borken.
120 Landgemeinden gab es 1933. Hier das Ortsverzeichnis Kreis Pr. Eylau mit allen Ortschaften.
Schulen
In diesen Ortschaften gab es Schulen

Güter
gab es im Kreis verteilt. Eine Auswahl
Vereine und Kultur
Feuerwehr- und Schützenvereine
Reit- und Fahrverein
Brauchtums-Feiern:
Brommtopp
Kenn ju den Brommtop, nä? Na, denn woll ick ju moal dräwer wat vertelle:
Der Fasteloawend war der Abend bevor die Fastenzeit eintrat.
Die Jungs und Lehrjungen maskierten sich und zogen lange weiße Leinenhemden über die Kleidung. Die Gesichter wurden mit Ruß beschmiert.
De fruttster un driester von ons mutt den Anföhrer moaken un wurd ön e Uniform gesteckt.
Meist war das eine alte Soldatenuniform und ein Säbel.
Einer der Jungen verkleidete sich als altes Weib, dem Pracherwief. Er zog sich ein altes Scheuertuch über das Gesicht und bekam einen Korb an den Arm.
De Brommtopp war ein altes Faß ohne Deckel. Diese Seite war mit Leder bespannt, das in der Mitte ein Loch hatte. Daraus hing ein Strang Pferdehaar. Wenn darauf ein Tropfen Wasser kam und man zog mit beiden Händen daran, brummte es. Wir sangen und machten das Geräusch im Takt dazu. So gingen wir von Haus zu Haus und sagten unsere Sprüche auf:
Ös erlaubt, mit dem Brommtop rinzukomme?
Wi träte herein ohne jede Spott,
eene schöne, goode Oawend bescher Ju Gott.
eene schöne Oawend on e googe Tied
de ons de Herrgott hefft bereit.
Wi wönsche dem Herre e gedeckte Dösch,
on alle veer Ecke e gebroadne Fösch,
on ömmer mödd a Kann voll Wien,
da he mötter Fru kann lostig sönn.
Wi höre de Fru mött de Schlätel klinge,
de wat ons söcher wat Goddet bringe.
Ach Fruke, schniede se nich so knapp,
sonst schniede se söck de Finger af!
Das Lied hatte um die Dutzend Strophen. Die Dochter, de Sähn, de Grot- un Kleenknecht, de Heerdsjung, de Groot- und de Kleenmagd wurden bedacht.
Zum Schluß noch eine Strophe der Verabschiedung
Nu wolle wi wedder wiedertehne,
on öns biem Noawer dat Hus ansehne.
Wi seggen för aller auch Dankeschön,
Beschütz Ju Gott, op Weddersehn.
Unser Pracherwief trat mit dem Korb vor und die Frau des Hauses gab wat se wull: E Stöck Speck, e Worscht, e paar Eier, e Stöckge Botter on ock noch Floade. De Bur leet säck ok nich lompe, toog den Biedel on spendeerd Göld. Manchmoal goot he ok noch jedem een Schnapskes ön.
Wenn de Fru oawer gar to knöckrig wehr, wurd se schwart gemoaket oder möt Woater bespritzt.
Je größer das Dorf desto mehr Abende mussten die jungen Männer losziehen.
Am Sonnabend darauf wurde alles gebraten, gekocht und aufgegessen. Vom Geld wurde Bier und Schnaps gekauft und der Rest aufgeteilt. Wenn wir dann noch ein paar Marjellchens einluden konnten wir tanzen und der Abend konnte lustig werden.
Das Klassenbild meines Vaters, rechts neben Lehrer Lange. Eine Schulveranstaltung in Schnakeinen. Es zeigt die Jugend des Ortes und der Umgebung. Vorne rechts der Bär aus dem Weihnachtsschimmel und der Junge mit der Trommel. Die Mädchen als Burgfräulein und oben die Jungs mit Kopfbedeckungen, wie sie wohl beim Brommtop getragen wurden.

